Uli Jon Roth: Tokyo Tapes Revisited – Live In Japan (Blu-ray)

Uli Jon Roth: Tokyo Tapes Revisited – Live In Japan (Blu-ray)

UDR

VÖ: 16.12.2016

 

Wertung: 9/12

 

Die Hannoveraner von den Scorpions werden mittlerweile ja eher belächelt. Einem ehemaligen Mitglied hat es jedenfalls in seiner Reputation nie geschadet, dass er einst deren Kopf war. Uli Jon Roth wird heute von ganz vielen Gitarristen quer durch alle Genres verehrt. Billy Corgan von den Smashing Pumpkins ist beispielsweise ein ganz großer Fan. Jetzt wird ein besonderes Konzert aus der Nakano Sun Plaza Hall Tokyo, Japan unter dem Titel „Tokyo Tapes Revisited-Live In Japan" veröffentlicht. Die Scorpions nahmen einst im Jahre 1978 den Bandklassiker auf, Roth trat dort am 20. Februar 2015 quasi die Nachfolge an.

 

Nun wird dieses Ereignis auf Blu-ry – oder wahlweise DVD – im Digipack mit zwei CDs veröffentlicht. Zusätzlich kann sich der geneigte Fan auch noch ein Super Deluxe Box Set in den Schrein stellen. Hier gibt es dann auch noch vier 180g LPs und auch das „Scorpions Revisited“ Album. Selbigs war bisher übrigens nicht auf Vinyl erhältlich. Natürlich gibt es dann auch noch ein Fotobuch, die Blu-ray mit dem Konzert, eine Blu-ray, die Aufnahmen der ersten Japantour der Scorpions enthält, zwei CDs mit dem Konzert und vier Bonus CDs, die die Konzerte in Osaka und Nagoya beinhalten. Zudem ist die Box handschriftlich nummeriert und mit einem Autogramm von Uli Jon Roth versehen.

 

Die Aufmachung der schnöden Blu-ray ist aber auch schon ein Prunkstück. Was heißt in diesem Zusammenhang überhaupt schnöde? So und nicht anders, muss man an dieser Stelle dann mal sagen. Da können ganz viele ähnlich gelagerten Veröffentlichungen nicht mithalten. Das Digipack ist schon ein echter Hingucker. Ausgeklappt macht das feine Teil auch etwas her. Da wird sehr schön die Stimmung, die vor Ort geherrscht haben muss, fotografisch wiedergegeben. Das Booklet hält dann auch sehr viele Fotos – und zwar der gesamten Band – bereit. Das macht schon einen überzeugenden Eindruck.

 

Der Sound ist auch eine Wucht. Gerade für das fein austarierte Gitarrenspiel von Uli Jon Roth ist das ja von immenser Bedeutung. Dieses kommt soundtechnisch voll und ganz zur Entfaltung. Aber auch der Rest der Band und der Gesang sind sehr schön abgemischt worden. Mit Nathan James hat sich Roth sowieso einen Sänger ins Boot geholt, der nicht nur stimmgewaltig ist, sondern auch wandelbar. Das wird schon beim Auftakt mit der Heavy-Nummer „All Night Long“ klar. „Longing For Fire“ lässt die Powerchords von Niklas Turmann und David Klosinski fliegen, während sich Roth auf seine Soli konzentrieren kann. Das epische „The Sails Of Charon“ ist das progressive Herzstück der ersten Hälfte. Da finden sich dann auch Teile der Weltmusik im Sound wieder. Das gilt aber natürlich auch für das schöne „Tokyo Dream Prelude“. Die Akustische ist schon ganz fein. „Fly To The Rainbow“ zeigt wieder die klassische Hardrock-Seite, nimmt die Musik Japans aber mit in das Boot.

 

Erstaunlicherweise hört sich das auch alles recht frisch an. „Top Of The Bill“ und „I´ve Got To Be Free“ würde eine junge Kapelle sicher nicht besser auf die Reihe kriegen. Eher im Gegenteil. „Polar Nights“ ist eine Reise vom Blues zum Hardrock und das auf eine epische Art und Weise. Dazu gesellen sich immer wieder klassische Elemente wie bei „Pictured Life“ oder klassischer Metal wie mit „Catch Your Train“. Mit den Coverversionen von „All Along The Watchtower“ und „Little Wing“ endet das Set. Beides übrigens überraschend gut gespielt und vorgetragen. Die Fußstapfen waren immerhin sehr groß.

 

Uli Jon Roth plaudert auch ein wenig aus dem Nähkästchen und über die Zeit mit den Scorpions. Auf seine Frage, wer denn schon 1978 dabei gewesen ist, schießen tatsächlich ein paar Hände in die Höhe. Ob das stimmt? Roth freut sich jedenfalls. Als Sänger tritt er auch noch in Erscheinung und macht gar keine schlechte Figur. Songs wie „All Night Long“ oder „Fly To The Rainbow“, die er schon 1978 mit den Scorpions spielte, haben nichts an Druck verloren. Es ist schon faszinierend, wie der Mann einen Bogen vom Hardrock zur Klassik spannt. Sein Spiel ist einfach unvergleichlich.

 

Der Aufnahme sieht man letztlich schon an, dass das Budget etwas kleiner gewesen sein dürfte, als bei den absoluten Top-Acts. Da sind schon ein paar seltsame Kamerapositionen und –perspektiven dabei. Das erinnert sogar an die guten, alten Aufnahmen der 70er. Die Qualität des Bildes ist auch mal etwas verrauscht. Gerade bei voller Ausleuchtung der Bühne kann das nicht mit den Standardproduktionen des Jahres 2016 mithalten. Beim Blitzlichtgewitter der Scheinwerfer oder dann, wenn die Bühne in rotes Licht getaucht wird, ist das Bild exzellent. Der Schnitt ist allerdings toll. Man darf Herrn Roth sehr oft und ausführlich auf die Finger gucken und da klappt einem dann schon mal die Kinnlade runter. Schön, dass man das nicht mit schnellen Schnitten versaut hat.

 

Fazit: Uli Jon Roth kehrt zu seinen Wurzeln zurück und ist mit „Tokyo Tapes Revisited – Live In Japan“ auf einer Art Nostalgietrip. Was einst mit den Scorpions 1978 in Japan für Begeisterungsstürme sorgte, holt er nun erneut aus der Mottenkiste. Musikalisch ist das schon sensationell. Der Mann hat ein derart markantes und filigranes Gitarrenspiel, dass man staunend vor dem Fernseher sitzt. Der Sound ist sehr gut und man kriegt als Zuschauer reichlich die Möglichkeit geboten, dem Mann bei seiner Griffbrettzauberei auf die Finger zu gucken. Das Bild überzeugt nicht immer, dafür ist der Schnitt toll. Für Fans ein Pflichtkauf, wie auch für Gitarristen.

 

http://www.ulijonroth.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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