Saltatio Mortis: Zirkus Zeitgeist – Live (Blu-ray)

Saltatio Mortis: Zirkus Zeitgeist – Live (Blu-ray)

Universal

VÖ: 01.04.2016

 

Wertung: 7,5/12

 

„Zirkus Zeitgeist“ von Saltatio Mortis kann wohl mit Fug und Recht als voller Erfolg verbucht werden. Das Album landete auf dem ersten Platz der Charts und bescherte der Band auch noch ein paar neue Fans. Auf die Abtrünnigen konnte man da gerne verzichten. Natürlich war das oberste Treppchen in früheren Zeiten mal mehr wert, und trotzdem können sich die Herren von Saltatio Mortis durchaus was darauf einbilden. Es kam wie es kommen musste: „Zirkus Zeitgeist“ wird ordentlich ausgeschlachtet. Nachdem man dann noch eine Version „Ohne Strom Und Stecker“ nachgelegt hat, folgt nun auch noch eine Live-Aufnahme. Selbige kann in allen möglichen Konfigurationen erworben werden. Da wird aber auch wirklich alles rausgepresst. Das kann man durchaus kritisch sehen, ist mittlerweile aber leider an der Tagesordnung. Und: es wird ja keiner zum Kauf gezwungen! „Live“ dürfte Fans dieser Ära aber durchaus begeistern.

 

Das Bild ist für eine Blu-ray in Ordnung, geht aber sicher nicht als Referenzwerk über die Ziellinie. Man sollte dabei aber auch nicht vergessen, dass hinter der Band eben keine dicke Produktion steht – trotz allem Erfolg. Da gibt es sicher andere Kapellen, die mehr mit dem Geld aasen können. Die Aufnahme aus der „Grossen Freiheit 36“ auf St. Pauli vom 20. November 2015 ist schon ordentlich. Die Detailschärfe ist nicht immer als sehr gut zu bezeichnen, über weite Strecken ist das aber einer Blu-ray würdig. Die Farben wirken bei voller Ausleuchtung der Bühne sehr natürlich. Probleme gibt es mitunter bei den dunklen Passagen oder wenn die Bühne nur in ein rotes Licht getaucht wird. Das hält sich aber in Grenzen. Kompressionsfehler und ein Graining sind nicht vorhanden. Der Schwarzwert hat hier und da ein paar Problemchen, ist im Großen und Ganzen aber auch als gut zu bezeichnen. Der Ton macht schon Laune und jede musikalische Nuance der Spielleute ist auszumachen. Schade, dass man das Publikum hin und wieder derart runtergedreht hat, dass von der Atmosphäre vor Ort dann nichts mehr übrig bleibt. Selbige muss nämlich ganz famos gewesen sein. Beim Schnitt hat man sich da mehr Mühe gegeben und viele Schwenks durch und zu den Zuschauern geben einen ungefähren Eindruck davon wieder, was das für ein Fest war. Man blickt allerorten in begeisterte Gesichter.

 

Auch die einzelnen Bandmitglieder werden immer wieder mit Nahaufnahmen bedacht. Man sieht den Herren sehr deutlich die Spielfreude an. Da ist nichts aufgesetzt und das Konzert wird mit viel Spaß bestritten. Man mag vielleicht nicht mit der Richtung, die Saltatio Mortis eingeschlagen haben, einverstanden sein, aber man kann und darf ihnen nicht die Authentizität absprechen. Auf der – für so viele Leute – kleinen Bühne geben sie alles, auch wenn der Aktionsradius aus Platzgründen naturgemäß eingeschränkt wird.

 

Und die Herren bleiben sich treu und sind von „Zirkus Zeitgeist“ voll und ganz überzeugt. Es werden immerhin 12(!) Songs von der Platte gespielt. Dazu gesellen sich noch vier vom Vorgänger, was für Altfans natürlich bedeutet, dass man da bei 23 Liedern auf einiges verzichten muss. Platz für Klassiker ist da selbstverständlich immer noch, aber die Band macht auch ziemlich deutlich klar, dass der Fokus nicht in der Vergangenheit liegt und man mit beiden Beinen im Hier und Jetzt steht. Wer es schnell mag, wird mit „Wachstum Über Alles“ gut bedient. Die Melancholiker kriegen mit „Nachts Weinen Die Soldaten“ reichlich Futter geboten. Da verzeiht man dann auch mal ein eher langweiliges Stück wie „Des Bänkers Neue Kleider“. Zwischen den Songs darf dann fast jeder der Spielleute mal vor das Mikro treten (ja, auch der Drummer) um ein paar einleitende Worte zu sagen. Nett.

 

Als Bonusmaterial gibt es eine ca. 24-minütige Doku mit ein paar Impressionen der Tour und des berühmten Making Offs und den obligatorischen O-Tönen. Das Booklet ist jetzt nicht sonderlich spannend, da hätte man sich durchaus etwas mehr Mühe geben dürfen. Internationale Produktionen sind da aber meist auch nicht sonderlich erhellender.

 

Fazit: Die Blu-ray „Live“ von Saltatio Mortis zum aktuellen Album „Zirkus Zeitgeist“ ist für Fans Pflicht! Die Band versprüht schon eine ziemlich große Spielfreude und das Konzert in der „Grossen Freiheit 36“ war ein richtiges Fest. Die Zuschauer vor Ort strahlen jedenfalls alle wie Honigkuchenpferde und das ist ja der Verdienst der Spielleute. Wer dem Album etwas abgewinnen kann, kommt hier sowieso auf seine Kosten, da eine ganze Menge Songs daraus gespielt werden. Bild, Ton und Schnitt sind völlig in Ordnung, reißen aber keine Bäume aus. Jetzt dürfte diese Ära dann aber auch wirklich mit allen Formaten abgefrühstückt sein. Der Erfolg damit sei den Spielleuten gegönnt!

 

http://www.saltatio-mortis.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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