Nazareth: No Means Of Escape (Blu-ray)

Nazareth: No Means Of Escape (Blu-ray)

Edel/Eagle

VÖ: 16.10.2015

 

Wertung: 6/12

 

Nazareth ist eine Band, deren Name so langsam im Nebel verschwindet. Die Band hat zwar noch eine große Fangemeinde, aber längst nicht mehr den Status vergangener Tage, als sie mit Led Zeppelin, Black Sabbath oder Deep Purple ein neues Genre ausriefen. Während die Kollegen auch immer wieder von einer neuen Generation entdeckt wird, sind Nazareth nur noch ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Dabei sind Nazareth neben den Simple Minds die bekannteste Band aus Schottland. Slash von Guns ´n ´ Roses zählt Nazareth beispielsweise zu seinen Einflüssen. Mit fast 60 Millionen verkaufter Tonträger ist die Kapelle zudem in der langen Karriere auch recht erfolgreich gewesen. Jetzt gibt es mit „No Means Of Escape“ neues Futter für die Anhänger.

 

„No Means Of Escape“ erscheint auf Blu-ray und DVD. Im Grunde ist das eine zweigeteilte Geschichte. Neben dem knapp einstündigen Konzertmitschnitt aus den berühmten Londoner Metropolis Studios, gibt es noch die Dokumentation „Made In Scotland“ zu sehen. Hier wird die ganze Geschichte von Nazareth in etwas weniger als einer Stunde auf- und abgearbeitet. Das ist schon sehr interessant, da man dort einen etwas tieferen Einblick in die Band und deren Konstellation erhält. Dan McCafferty ist sichtbar traurig, dass er aufgrund gesundheitlicher Gründe nicht mehr der Sänger von Nazareth ist. Das geht schon zu Herzen, da der Mann einfach ein total sympathischer Typ ist und mit beiden Beinen fest auf dem Boden geblieben ist.

 

Natürlich werden auch die Anfänge von Nazareth thematisiert und wie es letztlich zu dem Namen kam (es gab kein „Nein“, deshalb haben wir den einfach genommen – O-Ton Pete Agnew). Der Aufstieg zu einer wichtigen Band wird da ebenso beleuchtet, wie auch letztlich die Zeit, als Nazareth die USA und Kanada knackten und zu einer immens erfolgreichen Band wurden. Die Bilder dieser Zeit dazu sind oftmals S/W und natürlich nicht mit heutigem Standard zu vergleichen. Das macht aber nichts. Nazareth haben eine Menge zu erzählen, allen voran Pete Agnew. Ist ja auch logisch, da er das einzige verbliebene Gründungsmitglied ist. Turbulente Jahre musste die Band überstehen, manche auch mit Tragödien. Dies alles wird hier thematisiert und letztlich mündet dies in der heutigen Bandkonstellation von Nazareth.

 

Und da wären wir dann auch im Hier und Jetzt. Fast. Linton Osborn ist hier nämlich noch Sänger, mittlerweile hat er den Platz aber für Carl Sentance wieder räumen müssen. Der gute Linton war somit nur von 2014 bis 2015 Sänger der Band. Gesundheitliche Probleme wurden als Gründe angegeben. Singen konnte Osborn, keine Frage. Als Rampensau taugte er allerdings überhaupt nicht. Was er auf dem knapp einstündigen Konzert abliefert ist ziemlich einschläfernd. Kaum Bewegung, kaum Interaktion. Überhaupt ist das alles eine ziemlich dröge Angelegenheit. Jimmy Murrison und Pete Agnew reißen stoisch ihren Stiefel ab. Lee Agnew scheint von den Kameras gleich ganz mit Verachtung gestraft worden zu sein. „Silver Dollar Forger“, „Sleeptalker“ oder auch „Hair Of The Dog“ und „Expect No Mercy“ sind schon tolle Hardrockbretter, keine Frage. Und ja, das unvermeidliche „Love Hurts“ kommt auch noch. Zwischendurch gibt es sogar einen Akustikpart. Das ist musikalisch schon sehr gut.

 

Das Bild ist allerdings eine Katastrophe. Teilweise sieht man überhaupt nichts, da die Bühnenbeleuchtung sehr dunkel ausgefallen ist. Auch die Kameraführung ist eine mittelschwere Zumutung. Was hat man sich denn bei den ganzen Wacklern gedacht? Ist die Bühne mal voll ausgeleuchtet, dann wirken die Farben auch noch sehr unnatürlich. Und dann kommt auch noch ein Graining dazu. Puh, eigentlich ist das für eine Blu-ray schon unwürdig. DTS-HD Master und LPCM Stereo reißen jetzt auch keine Bäume aus. Das Bonusmaterial umfasst dann noch den Akustiktrack „This Flight Tonight“ und noch weitere Interviewsequenzen mit Agnew und McCafferty.

 

Fazit: „No Means Of Escape“ ist eine sehr zwiespältige Angelegenheit. Das Konzert ist eher langweilig und das Bild, Kameraführung, Kontrast und die gesamte Umsetzung er unterirdisch. Die Songs werden zwar ordentlich gespielt, aber insgesamt ist das nicht gerade ein Genuss. Die Dokumentation über die Bandgeschichte von Nazareth macht dann wieder einiges an Boden gut. Für Fans ist das alles in allem ganz nett, für die restliche Musikwelt aber verzichtbar.

 

http://www.nazarethdirect.co.uk/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch